Ich bin da. Und trotzdem fehlt etwas.
Ich bin Vater von zwei Kindern.
Ich arbeite Vollzeit.
Meine Frau ist zuhause bei den Kindern.
Wenn man von außen auf unser Leben schaut, könnte man sagen: Wir haben es eigentlich ganz gut getroffen.
Und trotzdem fühlt es sich innen oft ganz anders an.
Ich stehe morgens früh auf.
Ich fahre zur Arbeit.
Ich versuche, meinen Job gut zu machen.
Ich komme abends nach Hause, helfe, wo ich kann.
Am Wochenende bin ich im Garten, repariere Dinge, mähe Rasen, baue, räume, mache.
Und versuche, Zeit mit den Kindern zu verbringen – echte Zeit.
Und trotzdem höre ich immer wieder:
„Du bist nie da.“
„Mir ist alles zu viel.“
„Ich fühle mich allein gelassen.“
„Du siehst nicht, was ich alles mache.“
Ich höre diese Sätze.
Und irgendetwas in mir zieht sich jedes Mal zusammen.
Nicht, weil ich meine Frau nicht ernst nehme.
Nicht, weil ich glaube, sie übertreibt.
Sondern, weil ich innerlich denke:
Ich gebe doch schon alles.
Zwischen Pflichtgefühl und Ohnmacht
Ich habe gelernt, Verantwortung zu übernehmen.
Ich habe gelernt, durchzuhalten.
Ich habe gelernt, Probleme zu lösen.
Das hat mich beruflich weit gebracht.
Aber zuhause scheint genau das nicht zu funktionieren.
Ich merke:
Je mehr ich mich anstrenge,
je mehr ich versuche „richtig“ zu sein,
desto größer wird die Distanz.
Und das macht etwas mit mir.
Ich werde stiller.
Ich ziehe mich zurück.
Ich funktioniere.
Nicht, weil ich das will.
Sondern, weil ich nicht mehr weiß, wie ich sonst reagieren soll.
Wenn ich mich erkläre, heißt es, ich würde mich rechtfertigen.
Wenn ich nichts sage, heißt es, mir sei alles egal.
Egal, was ich tue – es fühlt sich falsch an.
Zwei Wahrheiten, die gleichzeitig existieren dürfen
Was ich langsam beginne zu verstehen:
Meine Frau hat recht.
Und ich habe auch recht.
Sie ist erschöpft.
Sie trägt mental und emotional unglaublich viel.
Sie wünscht sich gesehen zu werden.
Und ich bin erschöpft.
Ich trage Verantwortung für Einkommen, Sicherheit, Stabilität.
Ich wünsche mir ebenfalls gesehen zu werden.
Wir kämpfen nicht gegeneinander.
Wir kämpfen nebeneinander – nur in unterschiedliche Richtungen.
Das Problem ist nicht, dass einer von uns zu wenig gibt.
Das Problem ist, dass wir nicht mehr spüren, was der andere eigentlich gibt.
Wenn Anerkennung fehlt, entsteht Schuld
Was in unserer Beziehung langsam passiert ist:
Meine Frau fühlt sich allein.
Ich fühle mich schuldig.
Und Schuld ist ein leiser, aber giftiger Begleiter.
Sie macht mich kleiner.
Sie macht mich vorsichtig.
Sie nimmt mir die Freude an dem, was ich eigentlich gerne tue.
Ich merke:
Selbst schöne Momente mit den Kindern sind manchmal überschattet von dem Gedanken:
„Eigentlich müsstest du jetzt noch mehr machen.“
So entsteht ein Leben, das von außen ordentlich aussieht –
und sich innen immer schwerer anfühlt.
Ich will kein besserer Funktionierer werden
Ich habe lange geglaubt, ich müsse einfach noch effizienter werden.
Besser planen.
Mehr Aufgaben übernehmen.
Noch strukturierter sein.
Aber tief in mir wächst eine andere Erkenntnis:
Ich will kein besserer Funktionierer werden.
Ich will wieder ein fühlender Mensch sein.
Ein Mann, der spürt, was in ihm los ist.
Und der lernt, darüber zu sprechen – ohne sich zu verteidigen.
Was mir langsam klar wird
Es geht nicht darum, wer mehr leistet.
Es geht nicht darum, wer recht hat.
Es geht darum:
- wieder miteinander in Kontakt zu kommen
- zu verstehen, was hinter Vorwürfen eigentlich steckt
- Worte für das zu finden, was wir beide fühlen
Nicht als Diskussion.
Nicht als Streit.
Sondern als ehrliches Gespräch.
Ein Gespräch, das nicht mit Lösungen beginnt.
Sondern mit Zuhören.
Ich wünsche mir einen Raum, in dem ich nichts beweisen muss
Ich merke, dass ich einen Ort brauche, an dem ich sagen darf:
„Ich bin müde.“
„Ich weiß nicht weiter.“
„Ich habe Angst, zu versagen.“
„Ich wünsche mir Nähe – und weiß nicht, wie ich sie herstellen soll.“
Ohne bewertet zu werden.
Ohne Tipps.
Ohne sofortige Lösungsangebote.
Ein Raum, in dem ich erst einmal verstehen darf,
was in mir eigentlich los ist.
Vielleicht liest du das und erkennst dich wieder
Vielleicht bist du auch Vater.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl, immer zwischen allen Stühlen zu sitzen.
Vielleicht hast du längst aufgehört zu erzählen, wie es dir geht.
Dann möchte ich dir sagen:
Du bist nicht kaputt.
Du bist nicht falsch.
Du bist nicht allein.
Du bist ein Mensch in einer komplexen Lebensphase.
Und das darf schwer sein.
Ein erster Schritt
Ich beginne zu verstehen:
Veränderung beginnt nicht mit mehr Leistung.
Sondern mit mehr Bewusstsein.
Bewusstsein für mich.
Für meine Gefühle.
Für meine Grenzen.
Und für das, was ich mir eigentlich wünsche.
Von dort aus können neue Gespräche entstehen.
Neue Wege.
Neue Formen von Nähe.
Nicht perfekt.
Aber echter.
Wenn du spürst, dass du an genau diesem Punkt stehst –
zwischen Verantwortung, Erschöpfung und dem Wunsch nach echter Verbindung –
dann kann ein begleiteter Raum helfen, wieder Klarheit zu finden.
Nicht als Reparatur.
Sondern als Einladung, dich selbst wieder zu entdecken.
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